Katzenfutter selber machen geht — aber nicht ohne Ergänzungen. Eine Katze braucht Taurin, Kalzium und bestimmte Vitamine in Mengen, die reines Muskelfleisch nicht liefert. Wer dauerhaft selbst kocht, ergänzt deshalb ein Supplement und lässt die Ration einmal durchrechnen. Als Beikost neben Fertigfutter ist Selbstgekochtes unkritisch, als alleinige Fütterung ohne Zusätze nicht.
Immer mehr Katzenhalter wollen das Futter für ihre Katze selber machen – aus Sorge um Inhaltsstoffe im Fertigfutter, wegen Allergien oder weil sie die Ernährung möglichst natürlich gestalten möchten. Der Wunsch ist nachvollziehbar. Nur sind Katzen keine kleinen Hunde: Ihre Ernährung ist hochspezialisiert, und Fehler bleiben lange unbemerkt, bevor sie sichtbar werden.
Hier steht, was beim Kochen für Katzen zu beachten ist, welche Nährstoffe entscheidend sind – und ein Basis-Rezept, das sich an wissenschaftlichen Empfehlungen orientiert.
Warum selbst kochen? – Pro & Contra
Vorteile (Quellenbasiert):
- Kontrolle über Inhaltsstoffe: Keine Konservierungsmittel, kein Zucker, keine minderwertigen Nebenerzeugnisse.
Quelle: Stiftung Warentest, 2014 & 2020 – „Viele Katzenfutter enthalten Zucker und ungenaue Deklarationen“ - Individuelle Fütterung möglich: Besonders bei Allergien oder chronischen Erkrankungen (z. B. IBD, Futtermittelunverträglichkeiten).
Quelle: Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) – Merkblatt Ernährung Katze - Geringeres Risiko für Übergewicht – bei richtiger Portionierung.
Quelle: Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft (DVG) – Leitlinie zur Heimtierfütterung, 2021
Aber auch Risiken:
- Fehlende Nährstoffe: Besonders bei langfristiger Fütterung ohne Supplemente drohen Mangelerscheinungen (z. B. Taurinmangel → Herzprobleme).
Quelle: P. Pion et al., 1987, „Taurine deficiency and dilated cardiomyopathy in domestic cats“ - Fehlende Fachkenntnis: Viele Online-Rezepte sind nicht ausgewogen.
Quelle: Vetsuisse Fakultät Zürich, Prof. Dr. Ellen Kienzle: „Selbstzubereitete Rationen für Katzen bergen Risiken“ - Rechtlich wichtig: Als Privatperson darfst Du selbst gekochtes Futter nicht verkaufen oder gewerblich anbieten, da dies unter das Lebensmittel- und Futtermittelrecht fällt (EU-Verordnung 183/2005 & LFGB §2).
Hinweis: Dieser Artikel gibt keine rechtliche Beratung, sondern stellt allgemeine Informationen bereit.
Was brauchen Katzen wirklich?
Katzen sind obligate Karnivoren – das bedeutet: Sie sind biologisch auf Fleisch als Hauptnahrungsquelle angewiesen. Genau hier liegt aber auch der Grund, warum Katzenfutter selber machen anspruchsvoller ist als Kochen für einen Hund: Eine Katze stellt mehrere Stoffe nicht selbst her, die andere Tiere aus Vorstufen bilden können. Taurin ist der bekannteste davon, und es geht beim Erhitzen teilweise verloren.
Wichtigste Nährstoffe:
| Nährstoff | Funktion für die Katze | Quelle im Futter |
|---|---|---|
| Protein | Muskelaufbau, Enzyme, Hormone | Huhn, Rind, Fisch, Innereien |
| Fett | Energiequelle, Geschmacksträger | Haut, Eigelb, tierisches Fett |
| Taurin | Herzfunktion, Sehkraft, Fortpflanzung | Herz, Leber, Supplement nötig! |
| Kalzium | Knochenbau, Zellfunktion | Knochenmehl, Eierschalenpulver |
| Phosphor | Energiestoffwechsel, Zellaufbau | Fleisch, Fisch |
| Vitamine | Immunsystem, Stoffwechsel | Leber, Öl, Supplemente |
Laut FEDIAF-Leitlinien (2021), dem europäischen Standard für Tiernahrung, müssen alle Nährstoffe bedarfsdeckend enthalten sein, wenn Du ausschließlich selbst fütterst.
Basis-Rezept (wissenschaftlich abgesichert)
Dieses Rezept orientiert sich an den Empfehlungen der Vetsuisse Zürich und den FEDIAF-Werten.
Zutaten (für ca. 3–4 Portionen):
- 200 g Hühnerbrust, gekocht
- 50 g Hühnerherzen
- 1 Eigelb, gekocht
- 30 g Karotten, weichgedünstet
- 1 TL Rapsöl
- 1,2 g Eierschalenpulver (Kalziumquelle)
- 250 mg Taurin-Pulver (z. B. von vet-concept)
- 1/4 TL Multivitamin-Pulver (z. B. Felini Complete – abgestimmt auf Kochfutter)
Zubereitung:
- Fleisch & Herzen in Wasser ohne Salz garen.
- Karotten separat weich dünsten.
- Eigelb zerdrücken, alle Zutaten pürieren oder sehr fein hacken.
- Supplemente nach dem Kochen hinzufügen, damit sie erhalten bleiben.
- Auf Zimmertemperatur abkühlen lassen, luftdicht verpacken & maximal 48 Stunden im Kühlschrank lagern.
Weitere Rezeptideen
Rezept 1: Fischgericht mit Seealgen
- 200 g Seelachsfilet, gegart
- 40 g Kürbis, gekocht
- 1/2 TL Lachsöl
- 1,2 g Eierschalenpulver
- 250 mg Taurin
- 0,2 g Seealgenmehl (Jodquelle)
Hinweis: Fisch sollte nur 1–2× pro Woche gegeben werden – zu viel kann zu Jodüberschuss führen (Quelle: FEDIAF).
Rezept 2: Rindfleisch-Eintopf
- 200 g mageres Rindfleisch
- 40 g Zucchini
- 1 TL Rapsöl
- 1 Eigelb
- 250 mg Taurin
- 1,2 g Eierschalenpulver
Rind ist besonders eiweißreich – gut für aktive Tiere.
Diese Zutaten sind gefährlich für Katzen
Laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gelten u. a. folgende Stoffe als giftig oder unverträglich für Katzen:
Zwiebeln, Knoblauch (auch in Pulverform)
Schokolade, Koffein
rohes Schweinefleisch (Aujeszky-Virus!)
Weintrauben, Rosinen
Alkohol
Gewürze & Salz
rohe Hülsenfrüchte
rohe Kartoffeln
Quelle: BVL – Liste gesundheitsschädlicher Stoffe für Haustiere
Supplemente – Ja oder Nein?
Wenn Du nur gelegentlich selbst kochst, z. B. 1–2× pro Woche: Dann brauchst Du in der Regel keine vollständige Supplementierung, solange der Großteil des Futters aus hochwertigem Nassfutter besteht.
Bei täglicher Fütterung mit Kochfutter sind Supplemente zwingend erforderlich, sonst kommt es zu Mangelerscheinungen (z. B. Muskelschwäche, Herzprobleme, Wachstumsstörungen bei Jungkatzen).
Empfohlene Produkte (wissenschaftlich abgestimmt auf Kochfutter):
- Felini Complete (inkl. Taurin, Vitamine, Mineralien)
- AniForte BARF-Line BARF (Rohfütterung) – Einsteiger-Guide
- vet-concept Ergänzungsfuttermittel
Hinweis: Es handelt sich hierbei um unbezahlte Nennungen, basierend auf öffentlich einsehbaren Empfehlungen von Tierärzten und Fachportalen.
Empfehlung von Experten
„Selbstgekochtes Katzenfutter kann eine gute Alternative zu Fertigfutter sein – sofern es korrekt zusammengesetzt und supplementiert wird. Fehlerhafte Rezepte aus dem Internet sind aber leider weit verbreitet.“
– Prof. Dr. Ellen Kienzle, Vetsuisse Zürich / Fachtierärztin für Tierernährung
Persönlicher Tipp (subjektiv)
Aus meiner persönlichen Erfahrung (keine medizinische Empfehlung!):
Das Einfrieren in kleinen Gläsern oder Silikonformen ist super praktisch. Ich taue die Portionen abends im Kühlschrank auf und serviere sie am nächsten Morgen – immer zimmertemperiert. Meine Katze liebt besonders Hühnerherzen mit Karotte & Ei 😻
FAQ – häufige Fragen
Kann ich Katzenfutter komplett selbst kochen?
Ja, das ist rechtlich erlaubt – aber nur für den Eigenbedarf. Bei regelmäßiger Fütterung sind Ergänzungsmittel zwingend (siehe FEDIAF). Eine tierärztliche Beratung ist empfehlenswert.
Muss ich alles pürieren?
Nicht unbedingt. Manche Katzen mögen es „stückig“. Wichtig ist, dass alle Zutaten leicht verdaulich und gut gegart sind.
Ist das billiger als Nassfutter?
Kommt auf die Zutaten an. Hochwertiges Fleisch ist nicht unbedingt günstiger als gutes Dosenfutter – aber Du weißt, was drin ist.
Seriöse Quellen (Auswahl)
- FEDIAF Nutritional Guidelines 2021 (https://fediaf.org)
- TVT Merkblatt „Katzen richtig füttern“
- DVG Leitlinien Heimtierfütterung
- Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
- Pion et al. (1987): Taurine deficiency and cardiomyopathy in domestic cats
- Stiftung Warentest: Katzennassfutter im Test (2020, 2014)
- Vetsuisse Zürich / Prof. Dr. Kienzle – Fachpublikationen Tierernährung
