Katzengetestet

Nierenerkrankung bei Katzen: Ernährung, Futterplan & die besten Futtermittel

📌 Hinweis: Dieser Beitrag basiert auf persönlichen Erfahrungen, Recherchen und frei zugänglichen tiermedizinischen Quellen. Er dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Verdacht auf eine Nierenerkrankung bitte immer den Tierarzt aufsuchen.

Chronische Nierenerkrankung (CNE) ist eine der häufigsten Erkrankungen bei älteren Katzen – schätzungsweise sind 30–40 % aller Katzen über 10 Jahre betroffen. Die Ernährung spielt bei der Behandlung eine zentrale Rolle und kann die Lebensqualität und Lebenserwartung deiner Katze deutlich verbessern.

In diesem Ratgeber erfährst du, worauf es bei der Fütterung nierenkranker Katzen ankommt, welche Nährstoffe wichtig sind und welche Futtermittel sich bewährt haben.

Was passiert bei einer Nierenerkrankung?

Die Nieren filtern Abfallstoffe aus dem Blut und regulieren den Wasserhaushalt. Bei einer chronischen Nierenerkrankung verlieren sie nach und nach diese Fähigkeit. Das führt dazu, dass Giftstoffe im Blut ansteigen und der Körper austrocknet.

Die vier IRIS-Stadien der CNE:

Stadium Kreatinin (µmol/L) Symptome Ernährungs-Maßnahmen
Stadium 1 unter 140 Kaum sichtbar, vermehrtes Trinken Hochwertiges Protein, viel Feuchtigkeit
Stadium 2 140–250 Mehr Trinken, leichter Gewichtsverlust Moderate Proteinreduktion, Phosphatbinder
Stadium 3 251–440 Appetitlosigkeit, Übelkeit, Abmagerung Nieren-Diätfutter, strenge Phosphatkontrolle
Stadium 4 über 440 Schwere Symptome, Erbrechen Intensiv-Diät, Infusionen, palliative Fütterung

Die drei Säulen der Nierendiät

1. Phosphor reduzieren

Phosphor ist der wichtigste Faktor. Gesunde Nieren scheiden überschüssigen Phosphor aus – geschädigte Nieren schaffen das nicht mehr. Zu viel Phosphor beschleunigt den Nierenschaden erheblich.

  • Zielwert: unter 1 g Phosphor pro 1000 kcal Futter
  • Phosphatbinder: Werden vom Tierarzt verschrieben und dem Futter beigemischt
  • Vermeiden: Knochen, Innereien (besonders Leber), Milchprodukte

2. Protein: Qualität statt Quantität

Ein weit verbreiteter Irrtum: Protein muss nicht drastisch reduziert werden. Entscheidend ist die Qualität. Hochwertiges, leicht verdauliches tierisches Protein belastet die Nieren weniger als minderwertiges.

  • Stadium 1–2: Normales, hochwertiges Protein (über 30 % in der Trockenmasse)
  • Stadium 3–4: Moderate Reduktion auf 25–30 % in der Trockenmasse
  • Gut geeignet: Hühnchen, Pute, Kaninchen (leicht verdaulich)

3. Feuchtigkeit maximieren

Nierenkranke Katzen neigen stark zur Dehydration. Ausreichende Flüssigkeitsaufnahme ist überlebenswichtig.

  • Nur Nassfutter füttern (Trockenfutter wenn möglich komplett streichen)
  • Nassfutter mit 2–3 EL warmem Wasser anreichern
  • Trinkbrunnen aufstellen (fließendes Wasser wird bevorzugt)
  • Mehrere Wasserstellen in der Wohnung verteilen

Welches Futter eignet sich? Ein Überblick

Spezielle Nierendiätfutter (vom Tierarzt empfohlen)

Diese Futtermittel haben gezielt reduzierten Phosphor- und angepassten Proteingehalt:

  • Royal Canin Renal: Klassiker in der Veterinärmedizin, verschiedene Texturen verfügbar
  • Hill’s k/d Kidney Care: Klinisch getestet, in Studien lebensverlängernd nachgewiesen
  • Kattovit Niere/Renal: Deutsche Marke, oft günstiger als Royal Canin
  • Animonda Integra Protect Niere: Gute Akzeptanz bei vielen Katzen
  • Happy Cat VET Renal: Hohe Akzeptanz, moderate Preisklasse

Hochwertiges Standard-Nassfutter (für Stadium 1–2)

Bei leichter Niereninsuffizienz reicht oft hochwertiges Nassfutter mit natürlich niedrigem Phosphorgehalt:

  • AniFit – Schwedisches Premium-Futter mit hohem Fleischanteil
  • Leonardo – Deutsche Marke mit guter Deklaration
  • MjAMjAM – Hoher Fleischanteil, getreidefrei
  • Catz Finefood – Verschiedene Sorten, natürlich phosphatarm

Beispiel-Futterplan: Stadium 2

Uhrzeit Mahlzeit Menge (4 kg Katze) Extras
7:00 Nierendiät-Nassfutter (z.B. Hill’s k/d) 80–100 g + 2 EL warmes Wasser
12:00 Hochwertiges Nassfutter (z.B. AniFit) 60–80 g + Phosphatbinder lt. Tierarzt
18:00 Nierendiät-Nassfutter 80–100 g + 2 EL warmes Wasser

Dazu: Frisches Wasser an 3–4 Stellen, idealerweise ein Trinkbrunnen.

Appetitlosigkeit: Wenn die Katze nicht fressen will

Ein häufiges Problem bei nierenkranken Katzen. Die Giftstoffe im Blut verursachen Übelkeit. Was hilft:

  • Futter leicht erwärmen: Handwarm servieren, das verstärkt den Geruch
  • Verschiedene Texturen testen: Paté, Stückchen, Soße – Vorlieben können sich ändern
  • Kleine Portionen, häufiger: 4–5 kleine Mahlzeiten statt 2 große
  • Appetitanreger: Tipps bei Appetitlosigkeit
  • Beim Tierarzt: Mirtazapin oder Maropitant können die Übelkeit lindern

Nahrungsergänzung: Was sinnvoll ist

  • Omega-3-Fettsäuren: Können entzündungshemmend wirken und die Nierenfunktion unterstützen
  • B-Vitamine: Werden über die geschädigten Nieren vermehrt ausgeschieden
  • Kalium: Häufig erniedrigt bei CNE, kann als Pulver supplementiert werden
  • Phosphatbinder: Ipakitine, Pronefra oder Aluminium-basierte Binder (nur nach Tierarzt-Anweisung!)

Achtung: Nahrungsergänzung immer nur nach Rücksprache mit dem Tierarzt. Eigenmächtige Supplementierung kann mehr schaden als nutzen.

Was du unbedingt vermeiden solltest

  • Trockenfutter: Entzieht dem Körper zusätzlich Feuchtigkeit
  • Hoher Phosphorgehalt: Innereien, Knochen, Milchprodukte
  • Zu viel Natrium: Belastet die Nieren zusätzlich
  • Selbst zusammengestellte Diäten ohne Beratung: Kann zu gefährlichen Mängeln führen
  • BARF ohne tierärztliche Begleitung: Rohfütterung bei CNE ist riskant ohne professionelle Rationsberechnung

Regelmäßige Kontrolle ist Pflicht

Bei einer diagnostizierten Nierenerkrankung sind regelmäßige Blutkontrollen beim Tierarzt unerlässlich:

  • Stadium 1–2: Alle 3–6 Monate
  • Stadium 3: Alle 1–3 Monate
  • Stadium 4: Alle 2–4 Wochen

Kontrolliert werden: Kreatinin, SDMA, Harnstoff, Phosphor, Kalium, Blutdruck

Mein Fazit: Eine Nierenerkrankung ist nicht heilbar, aber mit der richtigen Ernährung kannst du das Fortschreiten deutlich verlangsamen. Mein Kater Milo zeigt mit 12 Jahren erste Anzeichen einer leichten Niereninsuffizienz. Seitdem achte ich noch genauer auf phosphatarmes, hochwertiges Nassfutter mit viel zusätzlicher Flüssigkeit. Die Ernährung ist bei CNE das A und O.

Nina Weber

Ich lebe seit 2014 mit Katzen zusammen. Milo, Luna und Felix haben mir ziemlich deutlich beigebracht, dass Katzenernährung selten nach Lehrbuch läuft: einer mäkelt, eine frisst alles, einer reagiert empfindlich.

MiloLunaFelix